24 November 2023
Was ist eigentlich der Rumpftrageapparat? Der Rumpftrageapparat wird aus drei Muskeln gebildet: 1. Musculus Serratus ventralis (pars cervicis et thoracis) Der gesägte Muskel, oder auch Sägemuskel genannt, hat seinen Ursprung an der Innenseite des Schulterblattes.. Von da aus zieht der Halsteil (Pars cervicis) an die Querfortsätze der letzten vier Halswirbel. Der Rumpfteil (Pars thoracis) zieht hingegen an das untere Drittel der ersten 7-9 Rippen. 2. Musculus Pectoralis profundus Der tiefe Brustmuskel verläuft etwa vom Brustbein und den bauchwärtsgelegenen Rippenknorpeln bis nach vorne zum Buggelenk. 3. Musculus Subclavius Der letzte der drei Rumpfträgern, der Schlüsselbeinmuskel, entspringt ebenfalls aus dem Bereich des Brustbeins und setzt vorne, am oberen Rand des Schulterblattes an. Aufgrund ihres Verlaufs sind diese Muskeln in der Lage den Rumpf, sprich den Brustkorb anzuheben und zu tragen. Im Gegensatz zum Menschen besitzt das Pferd kein Schlüsselbein , wodurch das Schulterblatt nur muskulär mit dem Brustkorb verbunden ist. Diese anatomische Besonderheit stellt eine wichtige stoßdämpfende Funktion her. Der aus der Hinterhand entwickelte Schub kann somit von der Vorhand optimal aufgefangen werden. Dies ermöglicht schnelle und katapultartige Fluchtmanöver und vermindert die Sturzgefahr auf unebenem Gelände. Wozu sollten Reiter die Rumpfträger des Pferdes trainieren? In den Köpfen vieler Pferdebesitzer herrscht der Mythos vor, dass die Rückenmuskeln den Reiter tragen . Allerdings handelt es sich bei der Rückenmuskulatur lediglich um Bewegungsmuskeln. Mehr Informationen hierzu erhaltet ihr in meinem nächsten Beitrag über die dorsale und ventrale Kette. Entgegen dieser Behauptung ist es vielmehr der Rumpftrageapparat, welcher es möglich macht einen Reiter ohne Verschleiß der Gelenke und Sehnen zu tragen. Denn werden die Rumpfträger nicht genutzt, so ist die stoßdämpfende Fähigkeit des Rumpfes stark eingeschränkt, wodurch es zu einer vermehrten Belastung der Gliedmaßen kommt. Sehnen und Bänder müssen vermehrt Last abfangen und werden überbeansprucht. Die Folge sind meist Sehnenprobleme. Der Weg zu einem tragfähigen Pferderücken Im Internet gibt es zahlreiche Übungen, welche zu einem "fitten Rücken" verhelfen sollen. Stangenarbeit steht dabei hoch im Kurs. Viele Pferdebesitzer bauen die Stangenarbeit daher 1-2 Mal pro Woche ins Training mit ein. Dennoch werden einfach keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt. Aber woran liegt das? Der Knackpunkt liegt in der natürlichen Bewegung des Pferdes. Da das Pferd von Natur aus nicht zum Tragen gebaut wurde, muss es zunächst einmal lernen sein Gleichgewicht unter dem Reiter zu finden. Es kommt zu einer ungewohnten Belastung des Rückens, der Burstkorb sinkt - auf Grund des fehlenden Schlüsselbeins - ab wodurch die Schultern zwanghaft versuchen diesen oben zu behalten. Nachfolgend kommt es zu einer unnatürlichen Kompensationshaltung und einer Überbelastung verschiedener Muskeln. Das Pferd kompensiert also das Reitergewicht . Und weil unsere Pferde wahre Meister der Kompensation sind äußert sich diese in unterschiedlichster Weise. Das wichtigste ist also zunächst ein grundsätzliches Verständnis über die Anatomie zu erhalten und den Blick zu schulen. Schaut hierzu gerne bei Instagram vorbei. In der nächsten Zeit plane ich einige Beiträge zum Thema Blickschulung . Nachdem nun die Kompensationsmuster aufgedeckt wurden gilt es die überlasteten Muskeln zu entspannen und andere Muskeln (wie zum Beispiel die Rumpfträger) aufzubauen. Ein ausgewogenes Verhältnis aus Stabilität und Elastizität ist ein grundlegender Faktor. Denn: Ein Muskel der bereits dauerhaft verspannt ist, kann seine Funktion nicht mehr erfüllen. Anstelle dessen springen andere Muskeln (zumeist Bewegungsmuskeln) ein und kompensieren. Es kommt es zu einer sogenannten Ursache-Folge-Kette . Wir müssen also zunächst die Schutzspannungen auflösen und unseren Pferden anschließend ein neues Bewegungsmuster beibringen. Dabei müssen unbedingt bereits vorhandene Erkrankungen beachtet werden. Aus diesem Grund ist es sinnvoll einen Pferdephysiotherapeuten, Osteopathen oder Faszientherapeuten mit ins Boot zu holen. Mit Hilfe einer ausführlichen Behandlung, Bewegungstherapie und Faszientherapie ist es möglich dem Pferd ein neues Bewegungsmuster beizubringen, welches den Reiter ohne Verschleiß tragen kann. Allerdings braucht dies Zeit und Geduld ! Studien zufolge regenerieren sich Faszien innerhalb 6 - 12 Monate. Der Therapeut entwickelt mit euch zusammen einen Therapie und Trainingsplan und gibt euch sinnvolle Tipps und Übungen mit an die Hand. Das Wissen über die Biotensegrität, die Biomechanik und die natürliche Schiefe sowie das Wissen über den Einfluss des Reitergewichtes, der Hufschlagfiguren und des Equipments helfen uns Reitern ein besseres Verständnis über gesunderhaltenes Training und Erholungsphasen zu erlangen. Ich hoffe Dir hat mein Beitrag gefallen. Weitere Einträge mit wichtigen Tipps und Tricks rund um die Anatomie, Rehabilitation und das gesunderhaltene Training werden folgen! Also bleib dran, hab Geduld und Spaß sowie die Muße Dich für Dein Pferd stetig fortzubilden. Denn wir haben die Verantwortung für diese wundervollen Lebewesen und ganz klar ist: Vorsorge ist besser als Nachsorge . Also bitte rufe einen Therapeuten nicht erst wenn es bereits zu spät ist. Prophylaxe kann so viel mehr als Rehabilitation. Wenn auch Du Interesse an einer Behandlung, Faszientherapie oder Bewegungstherapie hast, melde Dich gerne bei mir ! Ich berate und betreue Dich und Dein Pferd gerne und ganzheitlich und individuell.